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Adé Glühlampe – die „kleine Sonne“ geht unter
(Kritische Anmerkungen zur neuen Leuchtmittelverordnung der EU)
Ab dem 1.September 2009 wird in Deutschland das Verbot der Standard-Glühlampen umgesetzt. Ein wirklich dunkles Kapitel, aber urteilen Sie selbst:
Eine starke Industrie-Lobby, nämlich die großen Leuchtmittelhersteller, puscht angesichts von Milliarden-Umsätzen die schnelle Ausrottung der Allgebrauchs-Glühlampen gegen alle warnenden und kompetenten Stimmen in Fachhandel, Medizin und der Elite der Lichtplaner und Lichtdesigner. Es wird nicht nur ein großes Stück Beleuchtungs- und Wohnkultur vernichtet, auch die erwiesenen gesundheitlichen Gefahren werden ignoriert.
Die Entsorgung der (immer!) quecksilberhaltigen Energiesparlampen ist nicht praktikabel geregelt. Vielmehr gibt es hier einen aktuellen Systembruch: ohne jeden nachvollziehbaren Grund wurden diese Leuchtmittel von der gerade erlassenen Verordnung gegen Quecksilber in elektrischen Geräten ausgenommen! Nach nicht gesicherten Angaben werden aus privaten Haushalten z.Zt. nur 10 – 30 % der Leuchtmittel auf dem vorgeschriebenen Weg sonderentsorgt; die meisten landen im Hausmüll und mit ihnen Tonnen hochgiftigen Quecksilbers in der Natur.
Leitende Ärzte, z.B. an der Charité, haben auf die mit dem umfänglichen Einsatz der Energiesparlampen verbundenen großen und ernsthaften gesundheitlichen Gefahren hingewiesen: durch die Charakteristik des Strahlungsspektrums dieser Entladungslampen mit einem starken Akzent im blauen Bereich des Lichtspektrums wird die abendliche Melatonin-Ausschüttung gestört und dadurch unsere innere Uhr, der Biorhythmus, aus dem Gleichgewicht gebracht. Bei bestimmter Konstitution können neben Schlafmangel oder Schlafstörungen auch der Ausbruch von Krankheiten oder ein entsprechend schlechterer Verlauf die Folgen sein.
Argumente sind die große Energie-Ersparnis, verbunden mit der sehr langen Lebensdauer. Es ist inzwischen empirisch erwiesen, dass die am meisten verkauften billigen Energiesparlampen oft noch kürzere Lebensdauern als die nun auslaufenden Glühlampen haben und auch bei weitem nicht die behaupteten Leistungen erreichen. Das Licht-Farb-Spektrum ist im Gegensatz zur Glühlampe mangelhaft. Auch Institute wie ÖKOTEST haben diesen politischen Ansatz heftig kritisiert.
Den Glühlampen wird vorgeworfen, dass sie als Wärmestrahler mit nur 10 – 20 % Effektivität (Anteil des erzeugten sichtbaren Lichts im Verhältnis zur Leistungsaufnahme) „Energiefresser“ und damit abzuschaffen sind. Es ist dagegen zu halten, dass nach Daten des Statistischen Bundesamtes nur zwei Prozent (!) des Energieverbrauchs privater Haushalte auf die Beleuchtung entfallen; hiervon soll nun wiederum ein Teil eingespart werden. Zum anderen harmonieren die Glühlampen aber mit unserer Evolution: als Wärmestrahler sind sie unserem Sonnenlicht ähnlich und der nicht mehr sichtbare infrarote Anteil ist wohltuend und gesundheitsfördernd – allemal in unseren Breitengraden kein Problem.
Mit der kurzfristigen Ausmusterung (in der Verordnung „Ausphasung“ genannt) eines großen Teils unserer Beleuchtungskörper stirbt aber auch ein Stück Wohnkultur und Lebensqualität. Viele klassische und Designer-Leuchten werden bald nicht mehr lichttechnisch und ästhetisch optimal bestückt werden können. Millionenfach wird es Probleme mit elektronischen Vorschalt- und Steuer-Geräten geben, was heute, 3 Monate vor der Umsetzung, der Mehrheit der Bürger noch nicht bewusst ist!
Dass Energiesparlampen von ihrem Herstellungsprozess schon eine äußerst fragwürdige Energiebilanz aufweisen, dass sie Minuten nach dem Einschalten erst ihre maximale Helligkeit erreichen, dass sie in viele Leuchten nicht hineinpassen, keine Schönheiten sind und sich regelmäßig nicht dimmen lassen, dass sie ihre Lebensdauer oft nicht erreichen und dann zur Sondermülldeponie gebracht werden müssen, sollte jeden ermuntern, sich eigenverantwortlich über die Lichtqualität in seinem persönlichen Lebensumfeld Gedanken zu machen – Strom sparen kann man zuallererst dadurch, dass man hinter sich das Licht ausschaltet…
Heinrich Remagen
(Inhaber, Remagen und es wied Licht e.K.)